Rückblick - WOCHENEND-Seminar mit Katja Frey am 27./28. August 2016

***Target Training***


Hinweis!!!

Die Teilnahme an diesem Seminar war mit oder ohne Hund möglich. Die Seminarplätze mit Hund waren auf 8 Teams beschränkt.

 


Seminarinhalt:

 

"Es gibt immer 1000 Wege, eine Übung aufzubauen, 500 davon sind tierschutzrelevant, bleiben noch 500 übrig, die wir benutzen können." (Viviane Theby)

 

Target Training ist von den 500 übrig geblieben eine große Gruppe, über die nachzudenken und zu nutzen sich häufig lohnt.



„Target“ ist ein englisches Wort und heißt „Ziel“.  Im engeren Sinne bedeutet das, dass der Hund lernen soll, mit einem Körperteil einen Gegenstand (das Ziel) zu berühren. Damit sind schon sehr viele interessante Aufgaben elegant zu trainieren.

 

 

Im weiteren Sinne ist Target Training noch viel mehr:

Der Hund lernt, mit oder bei einem Gegenstand etwas zu tun oder zu einem Ziel zu laufen. Damit wird es richtig spannend und man kann sehr komplexe und nützliche Verhalten trainieren.

Der große Vorteil , Übungen als Targettraining aufzubauen besteht darin, dass die Aufgabe sehr klar definiert ist (berühre Gegenstand x mit deinem Körperteil y) und es dadurch dem Trainer leicht fällt,das richtige Verhalten zu erkennen und zu bestärken. Dadurch wiederum ist dem Hund die Aufgabe sehr klar und er lernt leicht und schnell.

 

 

Schauen wir uns die einzelnen Möglichkeiten im Detail an !!

 

Target Training im engeren Sinne:

Der Hund lernt, mit einem Körperteil einen Gegenstand zu berühren.

Eine große Gruppe von Übungen besteht dabei darin, dass der „Gegenstand“ dabei unsere Hand ist. Die Klassiker sind dabei das Pfötchen geben (Pfote an Hand-Target) und der Nasen-Target (Nase an Hand-Target). Viele Hunde kennen auch den Kinn-Target, wobei der Hund sein Kinn auf die Hand des Trainers legt und dabei möglichst niedlich schaut ;-)

Körper-Target Profis können auf Signal die Trainerhand mit ihrer Schulter, ihrem Popo oder ihrem Hinterkopf berühren. Oder sie heben sogar wie ein Pferd das Hinterbein auf Signal und geben es dem Trainer in die Hand.

 

Ein weiterer schöner Vorteil des Target Trainings:

Aus scheinbar einfachen Übungen kann schnell „mehr“ entwickelt werden. So kann aus dem Pfötchen-Geben durch den Aufbau von Dauer ein langes Pfötchen-Geben werden und durch den Aufbau von Ablenkung (ich berühre dich gleichzeitig mit der anderen Hand, jemand anderes berührt dich gleichzeitig) kann sich dann ein stressfreies Blutabnehmen beim Tierarzt entwickeln.

 

Oder aus dem Nasen-Target wird durch Dauer und Ablenkung ein wunderbares Mittel, um seinen Hund durch schwierige Hundebegegnungen zu führen. Durch die klare Aufgabenstellung und die positiven Emotionen, mit der diese Aufgabe durch das Vortraining „geladen“ ist, „klebt“ der Hund sozusagen an der Hand fest und wird aus der für ihn stressigen Situation geleitet.

 

Noch eine Vorteil von Target Training:

Viele Übungen sind hervorragend dazu geeignet, um den Beginn eines neuen Verhaltens auszulösen. So kann aus dem Nasen-Target ein schönes Bei Fuß gehen entwickelt werden, indem man dem Hund beibringt,  erst den Target im Stand zu berühren, dann sich zu ihn hin zu bewegen und ihn zu berühren und schließlich ihm zu folgen, ohne ihn zu berühren. Später kann dann die ursprüngliche Target-Hand weiter oben getragen zum Signal für das Bei Fuß gehen werden. 

 

Auch andere Körperteile des Menschen können für den Hund ein Target sein. So kann man das Bei Fuß gehen auch als Hundeschulter an Menschenknie Target-Übung aufbauen. Oder den Hund zwischen den Beinen des Menschen mit den Vorderpfoten auf den Schuhen des Trainers balancierend als anspruchsvolles Tricktraining. Das wäre auch schon ein Bespiel für zwei Targets auf einmal, da ja beide Vorderpfoten des Hundes einen eigenen Target haben. 

Wer es noch anspruchsvoller haben möchte kann auch drei Targets gleichzeitig abrufen und zB noch die Hand für ein Nasen-Target hinhalten. Da sieht man dann den Hundekopf förmlich rauchen...

 

Was ist nun alles mit dem Berühren von Gegenständen möglich?

Der Klassiker hierbei ist auch wieder der Nase-Target. Er wird häufig mit einem Targetstab oder einer Fliegenklatsche trainiert. Damit kann man den Hund wunderbar dirigieren und ihm zum Beispiel dann das sich um die eigene Achse Drehen beibringen.

 

Viele kennen auch noch den Vorderpfoten-Target. Dabei berührt der Hund mit einer oder beiden Vorderpfoten ein Stück Teppich, einen Bierdeckel oder einen Gummiteller. Damit kann man den Hund, wenn man die Entfernung mit einbaut, an verschiedene Orte schicken und dort auch stationieren, wenn man vorher auch noch die Dauer des Berührens auftrainiert hat.

Sind zwei oder mehr Targets im Spiel, kann man den Hund auch von einem zum anderen Target schicken.

 

Praktische Anwendungen davon gibt es viele. So kann der Hund damit zB lernen, auf seine Decke zu gehen und frühzeitig kombiniert mit einem Platz Signal dort auch direkt abzuliegen. Wird als Signal für diese Übung auch noch die Türglocke eingeführt, hat man einen Hund, der sich bei jedem Klingel an der Tür auf seine Decke legt! Oder der beim Essen problemlos in sein Hundebett geschickt werden kann.

 

Sehr sinnvoll ist das Stationieren der Hunde auf Targets auch für das Training mit mehreren Hunden gleichzeitig. So kann ein Trainer mit einem Hund etwas trainieren, während alle anderen brav auf ihren Targets liegen und regelmäßig dafür belohnt werden.

 

Auch im Hundesport können Vorderpfoten-Targets eingesetzt werden:

So können Kontaktzonen im Agiligy als Pfoten-Target auftrainiert werden oder das sich Positionieren in der „Box“  beim Obidience Training.

Über eine Hinterpfoten-Target ist sehr schön ein gerades Rückwärtsgehen vom Menschen weg trainierbar, indem der Target immer weiter weg gelegt wird. Sehr anspruchsvolles Tricktraining wird es dann, wenn das Hinterpfoten-Target auf eine schräge Ebene und schließlich an einer Wand angebracht wird. Der Hund läuft dann rückwärts mit den Hinterpfoten die Wand hoch und kann mit entsprechendem Körperbau, Geschicklichkeit, Kraft und viel Übung so den Handstand lernen.

 

Bringt man dem Hund bei, als Target ein Post-it zu berühren, kann man seinen Hund damit durch die ganze Wohnung schicken, ihm das Zumachen von Türen oder Schubladen oder das Bedienen von Lichtschaltern beibringen. Viele Assistenz-Hunde werden so ausgebildet.

 

Hierbei ist eine der Herausforderungen des Target Trainings erkennbar. Nutzt man einen Target, um ein anderes Verhalten daraus zu entwickeln, wie beispielsweise das Schließen von Türen, möchte man ja nicht die  ganze Wohnung für immer mit Post-its beklebt lassen. Dh, dass der Target bei fortschreitendem Training immer weiter abgebaut werden muss. Den geeigneten Zeitpunkt und die Möglichkeiten dazu zu kennen ist eine der spannenden Herausforderungen, die es beim Nutzen des Target Trainings zu lernen gilt.

 

 

Target-Training im weiteren Sinne:

Das Target Training im engeren Sinne beinhaltet das Berühren eines Gegenstandes von Seiten des Hundes. Im weiteren Sinne ist Target Training aber auch das Arbeiten an oder mit  einem Gegenstand .

Bringt man dem Hund das Umrunden einer Pylone bei und stellt diese kontinuierlich weiter weg, ist das auch eine Form des Target Trainings, obwohl der Hund die Pylone ja nicht berührt. In diesem Sinne kann man alle Agility-Geräte als Targets verstehen und auftrainieren oder auch das Springen der Hürde oder das Schicken in die Box im Obidience.

 

Auch bei der Hütearbeit können einige Übungen mit stationären Targets auftrainiert werden, beispielsweise wenn man den Hund auf der gegenüberliegende Seite der Herde noch weiter weg von den Schafen schicken möchte.

 

Für den Target Profi gibt es auch die Möglichkeit, dem Hund einen Sicht-Target beizubringen. Hierbei lernt der Hund, einen Gegenstand oder den Lichtpunkt eines Laser-Pointers auf Signal anzuschauen, ohne sich dabei allerdings dabei darauf zu zu bewegen. Dabei wird im Training auch immer wieder der Ort das Gegenstandes verändert, so dass der Blick des Hundes steuerbar ist. Das ist eine sehr nützliche Übung für Filmhunde, die je nach Kameraposition nicht immer in Richtung ihres Trainers schauen dürfen.

 

Noch spezieller wird es, wenn der Blick des Menschen als Target benutzt wird. Bei dieser Übung sucht der Hund aktiv den Blick des Menschen, vergleichbar mit dem Strahl einer Taschenlampe im Dunkeln. Schaut der Trainer in die linke hintere Ecke das Raumes, wird der fertig trainierte Hund dort hin laufen und sich dem Trainer zuwenden, um in seinen Blick“strahl“ zu kommen . Das ist sehr nützlich für Assistenzhunde, deren Halter nur den Kopf bewegen kann. So kann der Hund durch den Raum dirigiert werden und an dem aufgesuchten Ort weitere Signale bekommen, was dort zu tun ist.

 

 

Wenn man erst einmal den Blick für und Spass an Targets bekommen hat, sind der Phantasie des Trainers kaum Grenzen gesetzt. So kann man ein „Sitz“ auch als Popo- Boden Target betrachen, ein „Platz“ als Bauch-Boden Target, ein „Schämen“ als Pfoten-Nasenrücken-Target , ein Apportieren als Kiefer-Apportel Target und ein „Nicht-Bellen“ als Oberkiefer-Unterkiefer-Target sehen.... ;-)


Seminarleitung:
Das Seminar ***Target Training*** wurde geleitet von Katja Frey, die eigens aus Deutschland anreist, mit Unterstützung des Wi:Me:Ti:-Teams

Wir hoffen, das Seminar war für alle lehrreich und interessant.

Ein großes Dankeschön an Katja Frey und die tollen Teilnehmer !!!